Geschichte der Gemeinde

Die Anfänge unserer evangelischen Kirchengemeinde reichen zurück an den Beginn des 17. Jahrhunderts. Obwohl es schon vorher vereinzelte Notizen gegeben hat, dass in Lövenich und Umgebung das Abendmahl in beiderlei Gestalt gefeiert wurde, sind erst um 1610 öffentliche protestantische Gottesdienste in Lövenich belegt.

Nachdem die Spanier das Jülicher Land erobert hatten, mussten diese Gottesdienste aber wieder aufgegeben werden. Erst nach dem 30-jährigen Krieg wurde ein Gemeindeleben wieder geduldet, allerdings blieben die Evangelischen zunächst von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen und mussten ihre Gottesdienste in Privathäusern feiern.

1667 wurde die Kirchengemeinde Lövenich dann offiziell anerkannt. Als Predigthaus diente zuerst ein altes Haus am „Nierhoverend“, das aber wegen Baufälligkeit wieder aufgegeben werden musste. Am Ortsrand konnte man aber ein Grundstück erwerben und 1680 mit dem Bau einer eigenen Kirche beginnen, in der dann 1684 die ersten Gottesdienste gefeiert wurden. Eine Kirche noch ohne Turm, Glocke, Orgel und Empore. Die Hofkirche wurde entsprechend der reformierten Tradition als „Predigthaus“ gebaut mit Platz für eine Gemeinde, einem „Predigtstuhl“ (der späteren Kanzel), einem Abendmahlstisch, auf den bei Bedarf eine Taufschale gestellt werden konnte und dem „Armenstock“ an der Tür für Abgaben und Kollekten. Es fehlt bis heute ein Kreuz oder ein anderes Bild.

Das Pfarrhaus mit Stallungen und Nebengebäuden wurde erst einige Jahre später gebaut. Der Kirchbau und das Gemeindeleben wurden damals auch möglich durch großzügige Kollekten und Spenden aus niederländischen Gemeinden. Als weiterer Wohltäter wird in den Quellen auch Graf Reinhardt Vincenz von Hompesch (Schloss Rurich) genannt.

Zunächst „teilte“ sich die Gemeinde einen Prediger mit Kirchherten, bevor sich Andreas Stephani aus Otzenrath bereit erklärte, ab Januar 1684 die erste ordentliche Predigerstelle in Lövenich zu übernehmen, die er dann über 42 Jahre ausübte.

1743 erwarb die Gemeinde ein benachbartes Gebäude, in dem dann die evangelische Schule untergebracht wird. Im letzten Jahr des 2. Weltkrieges werden Kirche, Pfarrhaus und Schule schwer beschädigt; die Schule musste abgerissen werden.

1804 bekam die Kirche einen Dachreiter, in dem eine Glocke untergebracht werden konnte. Später kam eine weitere Glocke dazu. Ein vergoldeter Posaunenengel mit den Initialen MAS (gestiftet von Maria Agnes Schneiders) wird zum Wahrzeichen der Gemeinde. 1883 kommt anlässlich des Lutherjahres ein neuer Geusen-Daniel mit der Posaune in der einen und der Bibel in der anderen Hand auf den Turm, nachdem der erste schon 1848 aufgrund von Protesten der katholischen Bevölkerung von Kückhoven entfernt werden musste.

1811 bekam die Gemeinde eine erste Orgel, für die dann eine Empore eingezogen werden musste. Die Kanzel wurde 1842 der Gemeinde geschenkt und stammt ursprünglich aus Mülheim am Rhein. 1902 kam der Abendmahlstisch/Altar in die Hofkirche: er stammt ursprünglich aus der alten Hauptkirche in Rheydt.

Zur Gemeinde gehörten bis 1959 auch die Evangelischen im direkten Stadtgebiet Erkelenz; zeitweise hieß die Gemeinde auch offiziell „Evangelische Kirchengemeinde Lövenich-Erkelenz“. Durch den Zuzug von Ostvertriebenen nach dem 2. Weltkrieg wuchs aber auch in der Stadt Erkelenz und den umliegenden Dörfern die Zahl der Evangelischen deutlich an, sodass Erkelenz schließlich selbständige Gemeinde wurde.


Folgende Pfarrer und Pfarrerin lebten und wirkten in der Gemeinde Lövenich:

1684 - 1726   Andreas Stephani
1727 - 1781   Werner Strommenger
1782 - 1838   Arnold König
1838 - 1850   Johann Carl Abraham König
1850 - 1899   Ernst Keller
1900 - 1932   Hans Keller
1932 - 1938   Paul Krügers
Pfarrsitz wird nach Erkelenz verlegt
1938 - 1941   Walter Kastrup
Nach der Einberufung von Pfarrer Kastrup wird die Gemeinde von Pfarrer August Wirtz aus Schwanenberg mit versorgt
1946 - 1956   Johannes Dinger
1956 – 1959   Paul Pfeiffer
Nach der Trennung der beiden Gemeinden 1959 bleibt Paul Pfeiffer bis 1981 Pfarrer in Erkelenz
1960 – 1975   Kurt Beyer
1975 – 2001   Lutz Dittmar
2002 – 2011   Antje Lizier, geb. Saalmann
2012 - 2016   Sven Dreiser